Finale

Finale Woche von „Farm der Tiere“: Am Dienstag proben wir noch einmal, und am Freitag 17.6. um 14 Uhr spielen wir das orwellsche Politmärchen am Theaterfestival in Meiringen ein letztes Mal. Das Stück ist an Aktualität nicht zu übertrefen.

Wenn Freiheit sowie Demokratie zerstört und Menschen durch Schweine ersetzt werden, grassieren Gewalt, Sklaverei und Krieg. Die «Zytglöggeler» zeigen im «Theater am Käfigturm» eine aktualisierte Version des Orwell-Klassikers «Farm der Tiere». Ein brandaktuelles Stück über Unterdrückung, Gewalt, Zerstörung und Krieg.

In der Ukraine herrscht Krieg. Russische Panzer haben die Demokratie niedergewalzt, russische Kampfjets Häuser zerbombt und Menschen getötet. Millionen sind auf der Flucht. Vor über 67 Jahren hat George Orwell in seinem Politmärchen «Farm der Tiere» beschrieben, wie die Hoffnung auf Wohlstand und ein friedliches Zusammenleben durch Gewalt sowie Terror zerstört und durch eine Diktatur ersetzt wird.

In Orwells Fabel erheben sich Tiere auf einem Bauernhof gegen ihren menschlichen Besitzer, der sie vernachlässigt und ausbeutet. Nach anfänglichen Erfolgen und beginnendem Wohlstand übernehmen ausgerechnet die Schweine die Führung und errichten nach und nach eine Gewaltherrschaft, die schlimmer ist als diejenige, welche die Tiere eigentlich abschütteln wollten. Das Volk, die Tiere, leiden, werden versklavt und gehen am Ende wieder leer aus.

Die «Theatergesellschaft am Zytglogge» spielte vom 29. April bis 2. Mai 2022 im Theater am Käfigturm in Bern und anschliessend bis zum 28. Mai im Hüenerhüsi in Diemerswil eine aktualisierte Version des ursprünglich antikommunistischen Klassikers. Regisseurin Renate Adam hat die Satire in eine neuzeitliche Fassung gegossen: Der Bernerin geht es um die Offenlegung eines Systemwandels hin zur Diktatur. Diesen zu sezieren, interessiert sie: «Welche Kraft hat Hoffnung? Wie setzen sich Machtstrukturen durch? Warum konzentriert sich immer wieder alles auf Macht? Alles eher tragisch. Aber weil wir in diesem aussergewöhnlichen Setting von Bauernhof und Tiercharakteren sogar heutige Autokraten erkennen können, ist es auch immer wieder sehr komisch und lustig.»

«Wir leben in einer Zeit des politischen Aufbruchs. Krisen wie Pandemien, Hungersnöte, Arbeitslosigkeit, Krieg legen soziale Ungerechtigkeiten offen und die Menschen versuchen sich gegen die autokratischen Regierungen aufzulehnen und fordern ihre Rechte und Menschenwürde. Leider meistens ohne Erfolg, weil sie durch die Staatsführer mit Gewalt mundtot gemacht werden. Die Hoffnung und der Mut dieser Menschen, sich gegen diese Regierungen auch unter Androhung schwerer Strafen aufzulehnen, berühren mich und ich bewundere zutiefst ihre Zivilcourage. Wir leben in einer Zeit, wo Missstände aufgedeckt werden wollen. Dieses Stück ist ein Beitrag dazu», sagt Renate Adam.

Speziell an der Inszenierung sind neben dem Strohballen-Bühnenbild und den Kostümen die Choreos und die originelle Musik. In mehreren Einlagen singen die Tiercharaktere von ihren revolutionären Träumen. Dazu hat der Berner Theatermann und Musiker Markus Maria Enggist eigens die Melodie der «Internationalen» adaptiert und variiert.

Die erschreckenden Geschehnisse in der Ukraine spiegeln sich in der Berner Mundartadaption des weltbekannten Klassikers 1:1 wieder.

Was auf der Bühne passiert:

Die Tiere auf der Farm von Mr. Jones werden schlecht gehalten. Sie sind verletzt, ausgemergelt und leiden an Hunger. Kurz vor seinem Tod ruft das alte Schwein Old Major das Volk zum Widerstand auf und macht klar, dass eigentlich alle Tiere gleich wären. «Alle Tiere sind gleich.» Darauf mobilisieren die Schweine Napoleon, Schneeball und Quicker, der alte Ackergaul, die schöne Stute Mollie, der stets skeptische Esel Benjamin, die intellektuelle Ziege Mathilda, Schaf Jessica und Huhn Hanna gegen den Bauern. Sie verjagen ihn in der dramatischen «Schlacht am Kuhstall» und organisieren ihre Demokratie. Auf Sonntagsversammlungen stimmen sie ab und organisieren ihr Leben selber. Schwein Schneeball macht einen Plan, wie mit dem Bau einer Windmühle die Arbeitslast verringert werden könnte.

Doch hinter dem Rücken der Tiere organisieren die Schweine Napoleon und sein Sprecher, Schwein Quieker, den Umsturz. Sie korrumpieren die freie Meinungsbildung mit «Fake News», intrigieren bei den schwachen und setzen gegen die starken Tiere abgerichtete, scharfe Hunde ein. Nach und nach verschwinden die Euphorie sowie die Freude an Freiheit und Unabhängigkeit. Das Misstrauen unter den Tieren wächst. Jeder und jede könnte ein Spion sein. Schneeball wird verjagt und die schöne Stute Mollie läuft zu einem anderen Bauern über.

In einem Staatsstreich reisst Napoleon, unterstützt von seinem willigen Helfer Quieker, die Macht an sich. Er präsentiert eine neue, goldene Windmühle, macht sich zum Präsidenten und begrüsst seine Geliebte, Schwein Martina. Mit ihr ziehen die Schweine in das Herrenhaus ein und schlafen in Menschenbetten. In einem Saufgelage verprassen sie das von den Tieren erarbeitete Geld und foltern Esel Benjamin fast zu Tode. Völlig desillusioniert kapitulieren die versklavten Tiere, von den Schweinen mit Waffengewalt in Schach gehalten. Zum Schluss gratuliert Banker Plinkington den autokratischen Schweinen zur Leistung, und Napoleon erklärt seinen Erfolg: «Es ist alles eine Frage des Systems». Die Tiere auf der Farm werden wieder schlecht gehalten. Sie sind verletzt, ausgemergelt und leiden an Hunger.